Marokko verführt! Teil 1

Für viele gilt Marrakesch als Stadt aus 1001 Nacht. Bis ins Jahr 2020 wagten sich auch immer mehr TouristInnen einen Urlaub in dieser pulsierenden Stadt. Dann kam Corona und die TouristInnen blieben aus – ein ganzer Einkommenszweig stand still. Und dennoch oder gerade trotzdem flog ich im November für eine Woche nach Markokko – als Frau – allein.

Voraussetzung für die Einreise

war ein negativer Coronatest und meine Bereitschaft, auf dem Hinweg in Mailand ein Mal den Flieger zu wechseln. In Flughafen holte mich Ibrahim Ait Tamarit ab, der mit Marrakech4tours authentische Tagestouren und Ausflüge anbietet. Er hatte mich vorab zu einem Ausflug in seinen Heimatort Imlil eingeladen, doch was ich dann erlebte, war die beste Woche meines Lebens! Denn Ibrahim ist stammt aus dem Volk der Berber und zeigte mir in den nächsten, was Gastfreundschaft und Herzlichkeit sind.

Nach einer kurzen Pause machte ich einen Bummel in der Medina und ließ mich von einem freundlichen Burschen zu einem traditionellen Hamam führen, in dem ich dann ausgiebig gewaschen wurde – genau das Richtige nach einem langen Flug! Die erste Nacht verbrachte ich im Hotel Riad in einer ruhigen Nebenstraße des großes Djema el Fna, dass sich sehr gut als Ausgangspunkt für Stadtbummel und Ausflüge eignet.

Am nächsten Morgen

fuhr ich mit Ibrahim in die Berge des Atlasgebirges. Wir besuchten einen traditionellen Markt, auf dem alles gekauft und verkauft wird, und zu dem Menschen aus der Umgebung mit Bussen, Mopeds und Eseln – den Ferraris der Berber anreisen. Wir kauften frisches Obst, denn ich war bei seiner Familie zum Mittagessen eingeladen. Die ganze Familie freute sich ehrlich über meinen Besuch und empfing mich sehr herzlich. Ich durfte sehen, wie gekocht wird und ein herrliches Essen mit Couscous, Vor- und Nachspeise genießen. Verständigt haben wir uns sehr lustig mit Händen und Füßen und Ibrahims Dolmetschkünsten.

Am Abend brachte mich Ibrahim ins Hotel Soleil in Imlil und zeigte mir bei einem kurzen Spaziergang seinen Heimatort, der Ausgangspunkt für viele Bergtouren ist. Und auch wir starteten am nächsten Morgen nach einem tollen Frühstück zu einer abwechslungsreichen Wanderung durch die angrenzenden Berge. Besonders beeindruckend waren für mich die endlose Weite und die herrliche Stille. Nichts und niemand war zu sehen oder zu hören. Beim Abstieg kamen wir an einem Fußballplatz mitten im Nichts vorbei und machten ein herrliches Picknick am Wasserfall. Guten Tee bekommt man wirklich überall!

Nach dieser Wanderung

war ich schon mehr als zufrieden, doch Ibrahim hatte sich eine Rundreise für mich ausgedacht und noch seinen besten Freund, auch Ibrahim :-), dazu eingeladen. Und so starteten wir früh am nächsten Morgen zu dritt zu einer Fahrt durch die Berge mit Agadir als Ziel. Während der Fahrt unterhielten wir uns über Gott und die Welt und hatten viel Spaß miteinander. Ich machte viel zu viele Fotos und war unterwegs immer wieder eine Attraktion für die Männer, die in den Cafés und Restaurants große Augen bekamen, wenn ich dort als einzige Frau auftauchte :-), Ziemlich erschöpft kamen wir abends in Agadir an, wo ich nach einem kurzen Spaziergang an der Promenade und einer nächtlichen Schwimmrunde im Pool des Kamal Hotel übernachtete.

Was noch geschah, lest ihr in Teil 2.

Zu Besuch im Spa „Ô Bain de Lina“ in Marrakesch

O Bain de Lina Marrakech

Inzwischen bin ich eine echte Hamam-Liebhaberin geworden. Deshalb habe ich mich sehr über die Einladung vom Spa „Ô Bain de Lina“ in Marrakesch gefreut, ihr Hamam auszuprobieren und darüber zu schreiben. Als ich also Ende Februar kaputt vom Flug in Marrakesch ankam, brauchte ich dringend etwas Entspannung und machte mich auf den Weg dorthin.

Mit dem Bus Nr. 5 fuhr ich für 4 Dirham vom Jemaa el-Fnaa zur Haltestelle „Grand Poste“. Dort in der Nähe befinden sich noch einige europäische Geschäfte und ein kleines Einkaufszentrum. Das Spa „Ô Bain de Lina“ liegt nur ein paar Meter von der Bushaltestelle entfernt. Ein großes Schild am Straßenrand zeigt dessen Eingang in ein eher unauffälliges Wohnhaus. Dort gelangt man im Erdgeschoss über einen Weg mit Kerzen und Rosenblättern ins Spa. Ich fand das sehr einladend und liebevoll.

Direkt nach dem Empfang teilt sich das Spa in den Männer- und Frauenbereich. Eine freundliche Mitarbeiterin brachte mich in ein kleines Zimmer mit entspannender Musik, in dem ich meine Kleidung gegen Bademantel und eine kleine Hose tauschte. Danach wurde meine Kleidung in einen Korb gepackt, sicher versperrt und ich in einen kleinen Hamam-Raum geführt.

Dort legte mich auf eine warme Liege aus Stein und meine individuelle Hamam-Waschung in mehreren Schritten begann:

  • Waschung mit sehr warmem Wasser
  • Einseifung mit der typisch marokkanischen schwarzen Seife (savon noir)
  • wieder Waschung am ganzen Körper und kurze Ruhepause
  • sehr festes Peeling mit einem speziellen Handschuh, bei dem sich die alte Haut in kleinen Röllchen ablöst (echt beeindruckend, was da runtergeht)
  • wieder Waschung und Entspannung
  • Einreibung mit der marrokanischen Heilerde Rhassoul, die die Haut babyweich macht
  • kurze Einwirkphase und wieder Waschung am ganzen Körper und den Haaren

Die gesamte Prozedur wurde am ganzen Körper durchgeführt und dauerte circa eine Stunde. Ich musste mich einfach nur von Zeit zu Zeit auf den Bauch oder Rücken drehen 🙂 Danach fühlte ich mich so liebevoll versorgt wie ein kleines Baby. Im Ruheraum konnte ich dann einen süßen Pfefferminztee genießen und weiter entspannen. Eigentlich war ich da schon sehr zufrieden, aber es kam noch mehr! Ich wurde zur Massage abgeholt.

In einem privaten Massageraum wurde ich von einer echten Kennerin eine Stunde lang am ganzen Körper massiert. Und das war definitiv kein bloßes Streicheln, sondern eine professionelle und kraftvolle Ölmassage, die mich sehr an meine Thaimassage für Notfälle in Linz erinnerte. Es war also richtig gut!

Anschließend ging es noch einmal retour in den Hamambereich, wo ich nochmals von Kopf bis Fuß gewaschen wurde. Ehrlich gesagt wurde ich noch nie so verwöhnt. Nach der anfänglichen Scheu, mich fast ganz nackt vor fremden Mitarbeiterinnen des Spas zu zeigen, überwog mit der Zeit mein absolutes Wohlbefinden.

Der Besuch im Spa „Ô Bain de Lina“ war mein vierter Hamambesuch in Istanbul und Marrakesch – und er war für mich der beste, weil ich in privater Atmosphäre ganz wunderbar verwöhnt wurde. Das Spa wird sowohl von Einheimischen als auch TouristInnen besucht. Das “ Ô Bain de Lina“ ist definitiv kein Touristennepp sondern eine echte Wohlfühloase, wo die Mitarbeiterinnen ihr Handwerk wirklich gut beherrschen. Shukran. Schade nur, dass ich nicht regelmäßig in diesen Genuss komme. Aber der nächste Marrakesch-Urlaub kommt bestimmt. Inshallah!

Einmal Marokko mit Kind bitte! Teil 2

Marokko mit Kind

Durch meine letzte Reise nach Marokko schon mutiger geworden, traute ich mich diesmal, mit dem öffentlichen Bus von Marrakesch nach Essaouira zu fahren. Mit von der Partie: meine 8-jährige Tochter. Ich habe mich aus Gründen der Sicherheit für die Luxusvariante mit dem Bus von Supratours entschieden. Da mir die Online-Buchung zu kompliziert war, fuhren wir rechtzeitig mit dem Stadtbus Nr. 14 um 4 Dirham pro Nase zur Busstation neben dem Bahnhof und kauften unsere Ticket direkt am Schalter. Jedes Ticket kostete 80 Dirham.

Im Bus saßen dann vor allem TouristInnen. Also gibt es offenbar noch eine Busvariannte für Einheimische, die ich dann beim nächsten Mal ausprobiere 🙂 Mit Kind war dieser komfortable Reisebus jedoch perfekt, auch wenn es kein WLAN gab. Nach der Hälfte der Fahrtzeit machte der Busfahrer 20 Minuten Pause in einer Kleinstadt. Kurz vor Essaouria sahen wir dann auch einige Bäume, auf denen Ziegen für Fotos posierten. Unser Wettstreit um den ersten Blick aufs Meer verkürzte uns noch die letzten Minuten der Fahrtzeit.

Für unsere Übernachtung hatte ich uns etwas Luxus im Riad 7 Stones gebucht. Dort angekommen duschten wir ausgiebig, genossen das große Bett und machten uns dann auf ans Meer. Das es extrem windig war, hielt meine Tochter nicht davon ab, so richtig im Wasser und am Strand zu toben. Zum Baden war es durch den Wind aber selbst ihr zu kalt.

Den Abend verbrachten wir mit einem Stadtbummel und günstigem Essen in einem der vielen kleinen Restaurants der Stadt. Insgesamt ist Essaouira deutlich entspannter als Marrakesch. Zu Fuß kommt man hier wirklich überall hin. Als Mutter konnte ich so einen Gang runterschalten. Für den Abend waren wir mit meiner ältesten Tochter verabredet, die dann kurz gegen Mitternacht am außerhalb gelegenen Busbahnhof für die „Einheimischen“ eintraf. Dort mit meiner 8-Jährigen im Halbdunkeln zu warten, wäre normalerweise ein No-Go für mich gewesen. Weil sich aber der Buseinweiser gut um uns gekümmert hat, nahmen wir bald meine große Tochter in Empfang, die dann mit ihren drei BegleiterInnen in einem der vielen Hostels der Stadt unterkam.

Am nächsten Tag kauften wir wunderschön duftende Kästchen aus Thujaholz mit geheimen Öffungsmechanismen, fremde Gewürze, Fossilien und viele Oliven. Wir bummelten über alte Festungsmauern, bauten Sandburgen am Strand und aßen frische Falafel direkt am Meer. Gern wären wir noch ein paar Tage länger in dieser charmanten Stadt geblieben, doch der Rückflug rief.

Also fuhren wir am Abend wieder mit dem Bus von Supratours retour. Unser Gepäck konnten wir bis zur Abfahrt in dessen Büro kostenlos zwischenlagern. Während der Pause auf der Hälfte der Strecke, kaufte ich in einem Laden für Haushaltswaren eine Tajineform um 15 Dirham, mit der ich hoffentlich tolle Gerichte aus Marokko nachkochen werde. Da die Form ziemlich schwer war, entschieden wir uns bei der Ankunft in Marrakesch für das Taxis statt den Bus. Der angebliche Nachttarif wäre wohl 60 Dirham, weil angeblich kein Bus mehr fährt, so einer der Fahrer. Bezahlt haben wir letztendlich 30 Dirham und auf der Strecke begegneten uns ganz überraschend doch mehrere Stadtbusse 🙂

Am Jemaa el-Fnaa kauften wir dann noch die letzten Souvenirs, schauten ein letztes Mal den AkrobatInnen zu, bevor wir erschöpft einschliefen und am nächsten Morgen zum Flughafen aufbrachen.

Noch im Flugzeug entschieden wir, dass wir das nächste Mal in die Sandwüste Marokkos fahren und dort selbst nach Fossilien, Steinen und Kristallen suchen werden. Inshallah!

Einmal Marokko mit Kind bitte! Teil 1

Marokko mit Kind

Nach meinem letzten Kurzurlaub in Marrakesch hatte ich Lust auf viel mehr Marokko bekommen. Damit hatte ich wohl auch meine 8-jährige Tochter angesteckt. Sie wollte unbedingt ein Mal auf einem Kamel reiten und frischen Granatapfelsaft trinken.

Und so waren wir nun Ende Februar drei Tage gemeinsam unterwegs. Europäische Frau mit blonden Töchterchen allein in Marokko? Absolut kein Problem. Wir wurden überall sehr freundlich und respektvoll behandelt. Meistens gab es für meine Tochter noch eine extra Portion Herzenswärme, z.B. ein Sitzplatz im Bus oder ein kleines Geschenk beim Einkaufen. Diese Freundlichkeit steckte uns beide an, so dass meine Tochter bald munter auf französisch grüßte, strahlte und sich verabschiedete.

Da wir den ersten Flug des Tages nach Marrakesch gebucht hatten, verbrachten wir die Nacht davor mehr schlecht als recht am Wiener Flughafen. Entsprechend erschöpft war zumindest ich bei unserer Ankunft in DER Stadt des Orients. Mit unserem Hotel Aday, das sehr nah am Jemaa el-Fnaa liegt, hatten wir dann Glück. Es ist günstig und die Zimmer und das Bad sind sauber. Achtung: Handtücher müssen mitgebracht werden.

Inzwischen gehört ein Hamam-Besuch für mich zum Standardprogramm. Diesmal war ich im Spa „Ô Bain de Lina„. Eine genaue Beschreibung der klassischen Hamam-Behandlung dort beschreibe ich hier.

An unserem ersten „richtigen“ Tag in Marokko unternahmen wir mit unserem Guide Ibrahim und einer netten französischen Gruppe einen Tagesauflug in den Toubkal-Nationalpark und in die Steinwüste Agafay. Meiner Tochter gefiel dieser Ausflug sehr, weil wir an mehreren interessanten Stationen anhielten und es immer etwas zu sehen und zu tun gab: eine Arganöl-Produktion mit Verkostung, ein kleiner Souvenirstand am Straßenrand mit beeindruckenden Fossilien, köstliches gemeinsames Mittagsessen, bei dem sie sich mit zwei Mädchen anfreundete und die abwechslungsreiche Wanderung zu einem Wasserfall in den Bergen…

Auf dem Weg in die Steinwüste machte sie ein kleines Nickerchen im Bus und war dann wieder ausgeruht für ihr persönliches Highlight des Tages: Das Kamelreiten! Zuerst wurden alle ReiterInnen in traditionelle marokkanische Gewänder gekleidet. Danach gab es ein kurzes Fotoshooting, bei dem wohl das Kamelbaby der absolute Star war. Als meine Tochter in unserer Karawane dann noch ganz allein auf einem Kamel durch die Steinwüste reiten durfte, war ihr Glück perfekt. Dabei waren das Aufstehen und Niederlegen der großen Wüstenschiffe mit meinem Kind oben drauf wohl der größte Angstmoment für mich während der gesamten Reise.

Erfüllt von der besonderen Intensität der Farben, Gerüche und der traumhaften Landschaft kehrten wir abends in die Stadt zurück und bewunderten auf dem Weg zum Hotel noch das wilde Treiben auf dem Jemaa el-Fnaa.

Geschicklichkeitsspiel
Geschicklichkeitsspiel für Groß und Klein am Jemaa el-Fnaa

Wie es uns am zweiten Tag erging, lest ihr hier.